Gruppe 4 zu 1        2017

2016

Schönheit und Perfektion als Zukunftsmodell

aus Rheinische Post vom 16.06.2016 von Astrid Schoene
„Körper 2.0 – Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen“. Die neunte Themenausstellung öffnet Sonntag im Wilhelm-Fabry-Museum.

Wenn uns unser Körper nicht mehr gefällt, bringen wir ihn zur Reparatur und wechseln bei Bedarf die Komponenten. Die technische Erweiterbarkeit des Menschen ist das neue Thema im Fabry-Museum. Eine überaus spannende Ausstellung.

In 34 Werken haben sich die Künstler mit medizinischen und technischen Errungenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts beschäftigt. Beleuchtet wurden Aspekte zum Wertewandel, zu Verletzungen des Körpers und auch der Seele und der heutigen Abhängigkeit von Technologie.
Die Skulptur „Sozial Freezing“ zeigt Mutter und Kind erstarrt in Zeit und Raum. Wolfgang Antweiler, Bernd Morgner und Sandra Abend haben die neue Ausstellung „Körper 2.0“ konzipiert. Foto: Olaf StaschikDie Skulptur „Sozial Freezing“ zeigt Mutter und Kind erstarrt in Zeit und Raum. Wolfgang Antweiler, Bernd Morgner und Sandra Abend haben die neue Ausstellung „Körper 2.0“ konzipiert. Foto: Olaf StaschikNüchtern und schlicht führen im Eingang drei Torsi „Die Studie zum Wesen der Vollkommenheit“ von Ursula Dietze den Besucher in die Thematik ein. Und zu den Fragen: Wie sieht der Mensch sich selber? Was gilt es zu optimieren, auszutauschen – Prothesen, Implantate, neue attraktivere Körperformen? Schönheit und Perfektion als Zukunftsmodell. Auf rosa Haut zeichnet Christine Huß die „Korrektur“ für eine Bruststraffung. Schmerzloser, aber auch effektiv präsentiert sich der Wonderbra, Rundungen vorgaukelnd, auf Ute Augustin-Kaisers Fotografie „Push up“. Wo sind die Grenzen technischer Neuschöpfung? Variationsreich, auch mit feiner Ironie, haben das die Künstler in ihren Arbeiten umgesetzt und sich intensiv mit Prothetik beschäftigt. Man staunt über die Installation von Anneke Dunkhase. 14 aneinander gereihte kleine Werkzeuge - die „Prothesen von Johann Duhm“, der im Krieg seine Hand verlor. Und der mit Hilfe von Rund- und Spitzhaken, Hammer, Messer, Greifer oder Schraubenzieher ... alle Arbeiten auf seinem Hof erledigen konnte. Fast archaisch wirken die, von Danielle Dell‘Eva trutzig gezimmerten Holzbeine. Kontrastreich zu dem High-Tech-Gebilde in „Victoria siegt“. Das ist Ada Mees poppig gemaltes Bild einer selbstbewussten Frau mit futuristischer Bein-Prothese.
Planbarkeit des Lebens – auch ein Thema. Verena Braun zeigt das im „Wunschkind“. In einer Pralinenschachtel liegen allerliebste Köpfe, Beine, Körper zur Auswahl bereit. Und Alexia Petertil beeindruckt mit ihrer weiß schimmernden Halbskulptur „Sozial Freezing“ – Mutter und Kind erstarrt in Zeit und Raum. Leises Unbehagen spürt man auch beim Foto-Essay „Jennys Seele“ von Sandra Hoyn. Isoliert vom Leben draußen, umsorgt ein Mann liebevoll seine Partnerin, eine Silikonpuppe. Daneben, auf einer riesigen Print-Wand von Sophie Stephan, liegt eine junge Frau im Bett, um sich herum ihr Leben - Essen, Getränke, Literatur, Fernseher, Handys – vernetzt und doch einsam. Die Exponate setzen sich mal sensibel, mal recht drastisch mit der Erweiterbarkeit des Menschen auseinander. Volker Wessendorf fasziniert mit der elektronisch gesteuerten Skulptur „Verwandlung“. Zischen und Lichtblitze begleiten das Metaphorische. Magisch zieht Dietmar Paetzolds Fotografie „Redhead 2.0“ die Blicke an. Unheimlich der roboterähnliche Kopf mit Objektivaugen.
Dem Glauben an die Allmacht der Technik steht ein Satz in Raimunde Graves Lichtinstallation gegenüber. Fehlerhaft getrennte Silben werden zu „Deine Unzulänglichkeit ist dein wahrer Wert“.

Gruppe 4 zu 1          2016

4:1 bei Goodbye Blue Monday in der Meerkatze

Slideshow von Florette Hill

Das Paradies nach 4:1 in der Trinitatis Kirche zu Köln

2016 "Das bleibt nicht in den Kleidern" Galerie SK

Artikel im Solinger Tageblatt vom 17.3.2016

Künstlerin zeigt Stoffe aus Mutters Keller

Nachdenklich machende Texte, sorgfältig auf unterschiedliche Stoffe aufgenäht, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Das bleibt nicht in den Kleidern“ der Essener Künstlerin Raimunde Grave. Zu sehen ist die Schau ab Sonntag in der Galerie SK in den Güterhallen.

Von Karl-Rainer Broch

 

Die Initialzündung für ihre Collagen auf ungewöhnlichem Untergrund erhielt sie vor Jahren, als sie den Keller ihrer Mutter aufräumte und dabei viele alte Stoffe entdeckte: „Die waren zu schade zum Wegwerfen.“ Die mit viel Arbeit aufgenähten Texte stammen mit wenigen Ausnahmen von ihr selbst. „Ich habe zugehört, was die Leute sagen, Floskeln aufgegriffen und das gesammelt, was mir so durch den Kopf geht.“

Der Betrachter muss die Kunstwerke – egal, ob Herrentaschentücher, Bettlaken, Kopfkissen oder Hemden – intensiv lesen und dabei eigene Schlussfolgerungen ziehen. Elastische Binden wurden von Raimunde Grave entweder mit Reißverschlüssen verbunden oder mit der Hand festgenäht.

„Borderline“ heißt eine besondere Collage, alle Buchstaben sind aus dem grünen Stoff ausgeschnitten und aufwendig auf einem in Pink gefärbten Betttuch platziert. Das „Erotische Frauenkabinett“ im Obergeschoss der Galerie zeigt neben auf Taschentücher gemalten Aquarellen mit weiblichem Geschlechtsteil ein in einen Käfig eingeschlossenes Doppelgeschlecht mit dem Titel „Entscheiden heißt verzichten“. Dabei habe die Künstlerin an Menschen mit nicht eindeutiger Geschlechtszuordnung gedacht.

 

 

Artikel in der Rheinischen Post

| 00.00 Uhr

Solingen

Textile Botschaften aus weiblicher Sicht

olingen. Die Galerie der Solinger Künstler stellt in der Ausstellung "Das bleibt nicht in den Kleidern" textile Arbeiten und erotische Objekte von Raimunde Grave aus Essen vor. Morgen um 15 Uhr wird die Schau in den Güterhallen eröffnet.

Von Güdny Schneider-Mombaur

 
 

Das Interessante am Ausstellungskonzept der Galerie der Solinger Künstler ist die Offenheit für die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen. Damit kann die Galerie die Besucher mit immer wieder neuen Wahrnehmungsangeboten überraschen. So sind auch die Arbeiten von Raimunde Grave auf den ersten Blick ungewöhnlich. Keine klassische Malerei, sondern textile Botschaften, die in unterschiedlichster Form daherkommen: als Tuch, als Bettüberwurf, als Kissenbezug, als Seidentop, Taschentuch oder einfaches Hemd. "Ich liebe alte Stoffe und Muster. Die textilen Fundstücke, die ich in den Schränken meiner Mutter aufstöberte, inspirierten mich. Mit ihnen lassen sich Geschichten erzählen," erklärt die Künstlerin. Sie vertauschte 2010 den Pinsel mit Nadel und Faden und näht und stickt nun vorrangig ihre Kunststücke in klassisch weiblicher Handarbeit.

Doch das zart verschlissene Seidentop und das hübsch umhäkelte Taschentuch aus der Vor-"Tempo"-Zeit verlieren im Arbeitsprozess ihre Unschuld. Grave stickt oder appliziert Textbotschaften von subversiver Prägnanz auf Kleidungsstücke und Stoffbahnen. "Sei hart zu mir" steht auf dem leichten Chiffontuch, "Gefangen im Kokon" auf dem Seidenoberteil. Das zentrale Motiv ist der Schmerz. Textfragmente auf einem großen pinkfarbenen Tuch mit Buchstaben im zarten Blumenmuster widmen sich der Borderline-Problematik. In weiteren Arbeiten geht es um den Verlust von Liebe, Würde oder Vertrauen. Da Bildtitel in dieser Ausstellung bewusst fehlen, soll der Betrachter nach eigenen Aussagen der Künstlerin "unbelastet seine eigenen Gefühle und Geschichten zu den Arbeiten zulassen und sich berühren lassen."

Inhaltliche und formale Ähnlichkeiten zu feministischen Künstlerinnen wie Louise Bourgeois oder Tracey Emin drängen sich auf. Letztere bezeichnet ihre eigenen Arbeiten als "living autobiography". Auch sie erzählt ihre tragische Lebensgeschichte unter anderem durch Alltagsgegenstände und textile Wandbehänge. Doch hier hält Raimunde Grave dagegen. In der Serie kleinformatiger Objektkästen mit Murmeln und Puppenfragmenten liest man wiederholt: "Ich hatte eine schöne Kindheit." Raimunde Grave deckt den pseudobiografischen Ansatz ihrer Arbeiten auf. Es geht nur vordergründig um sie selbst. Ihr Thema ist der Betrachter, der durch die Text- und Bildbotschaften zu Beziehungskonflikten, Traumata und Obsessionen unmittelbar angesprochen werden soll. Und das häufig mit einer Prise Humor. "Durch vermeintlich autobiografische Darstellung ermögliche ich dem Betrachter, seine Emotionen auf mich zu projizieren, wodurch seine Auseinandersetzung außerhalb von sich selbst stattfindet," erläutert die Künstlerin die Rezeptionsprozesse.

Das zeigt sich auch im Obergeschoss der Galerie, wo Grave ein kleines erotisches Frauenkabinett aufgebaut hat. Hier kreist ihr Blick ganz konkret um das weibliche Geschlecht. Kissenobjekte, Plüschplastiken oder valeurreiche Aquarelle auf Herrentaschentüchern thematisieren weibliche Sexualität.

 

Spätestens jetzt wird deutlich, dass Raimunde Grave feministische Themenkomplexe behandelt, ironisierend verpackt und humorvoll präsentiert. Frauenkunst, seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts fester Bestandteil der Kunstgeschichte, inspiriert auch heute noch künstlerisches Schaffen. Zunächst in Amerika, später auch in Europa, setzten sich Künstlerinnen mit ihrem Selbstverständnis als Frau und geschlechtsspezifischen Rollenklischees der Gesellschaft auseinander.

In dieser Tradition agiert auch Grave. Ihre provokanten Objekte, ihre subversiven Textbotschaften, ihre textilen Materialien und banal-ästhetischen Handarbeits-Verfahren sollen Seh-, Denk- und Reaktionsgewohnheiten entlarven, wie sie sagt, "in einer Art, die den Betrachter amüsiert, irritiert und zur Reflexion über eigene Sichten einlädt."

Die 1958 geborene Künstlerin studierte von 2003 bis 2009 Malerei an der freien Akademie der bildenden Künste in Essen. Dort lebt und arbeitet sie als Kunst-Schamanin, wie sie sich selbst bezeichnet.

Quelle: RP
 

Video zur Revierkunst 2015

Interview mit mir in der 6:17min

"textilis" BENTHEIMERAtelier 2015

Grafschafter Nachrichten

 

Interview von RheinAhrTV zu Quinär 2015

Presse zu Quinär im Küfo Remagen 2015

PresseInfoQuinär2.pdf
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aus der lokalen Berichterstattung ...

Ganz schön giftig: Kunst im Fabry-Museum      2013/14

„Die Dosis macht das Gift" heißt die achte Themenausstellung mit 39 Künstlern.
Die RP hat sie sich vorab angesehen.

aus Rheinische Post vom 11.10.2013 von Astrid Schoene

Sie rüttelt auf, schockiert und amüsiert. Die achte Themenausstellung „Die Dosis macht das Gift: Genuss und Sucht - Heilung und Verfall" hält am Sonntag Einzug ins Wilhelm-Fabry-Museum.

Eine spannend inszenierte Ausstellung, in der 39 Künstler aus unterschiedlichen Sichtweisen Gifte und Süchte thematisiert haben. Die berühmten Worte Paracelsus? „Wenn ihr jedes Gift richtig erklären wollt, was ist dann kein Gift? Nur die Dosis bewirkt, dass ein Ding kein Gift ist", sind auch heute noch aktuell und ziehen sich leitmotivisch durch die Museumsräume.

Zwei Jahre lang hat das Fabry-Team - Dr. Wolfgang Antweiler, Bernd Morgner und Dr. Sandra Abend - diese achte Themenausstellung geplant. „Damals, 1999, bei unserer ersten Themenausstellung rund ums Herz, dachten wir noch nicht an so einen Erfolg", erzählt Museumschef Antweiler: Knapp 200 Künstler aus ganz Deutschland haben sich für die Achte beworben. Eine Jury wählte 39 Künstler aus. 44 Arbeiten - Fotografie, Malerei, Skulptur und Collage - zeigen Fakt, Fiktion, Ironie, Ernst und Unerhörtes zu dem brisanten Thema.

Die Exponate korrespondieren an Wänden, auf kleinen und großen Sockeln miteinander.

„Wir haben viel ausprobiert", erzählt Sandra Abend. „Bis wir sicher waren, dass die Arbeiten sich in ihrer Wirkung verstärken." Erkennbar schon im ersten kleinen Raum, in der eine latent unheimliche Stimmung die Wahrnehmung beschäftigt. Wie bei Masami Takeuchis „fukshima 6", zart und ästhetisch bemalte Kacheln in Kobalt, mit Menschen in gläsernen Schutzanzügen. Das Bedrohliche setzt sich in Jochen Görlachs „Hidden" fort. Suggestiv wirkt das fast schwarze Ölbild. Eine Frau, weit aufgerissene Augen, hellweißer Mundschutz. Gegenüber symbolisieren 240 Digitalis-Blüten in „die tödliche Dosis" von Moni Müller das nicht mehr Heilsame, sondern nun Giftige. Argwöhnisch begutachtet der Besucher den in sanften Öl-Farben schimmernden rundum giftigen Blüten- und Pflanzenstrauß von Anne-Maria Oeser. „Ein Fingerhut voll" heißt es bei Tilly Scheller-Zeller. Giftgrünes läuft aus knallbuntem Fingerhut - die Fotografie punktet mit Doppeldeutigkeit. Auf schwarzem Glas hat Ute Augustin Kaiser ihre Fotografie „das rechte Maß" inszeniert: ein Todesstillleben mit altem römischen Schädel und buntem Naschzeug. Bunt glitzert es auch an der „Zuckerpuppe" von Alexia Petertil: eine wohlgeformte Torso -Weiblichkeit, umwickelt mit Schokoriegel-Papier.

Beim Rundgang wird bewusst, was alles zu den Geißeln unserer Zeit gehört. Drogen, Alkohol, Fett, aber auch Online- und Computerspiele und die unsichtbaren chemischen Feinde in Nahrung, Kleidung, Umwelt können dazu gehören. In Henriette Astors „Cocktail" hüpfen zierliche Skelettmännchen aus Papier um einen Haufen Pillen herum. Eine drastische Mahnung an Sonnenanbeter hält Barbara Joliet mit „Dörrfleisch" bereit. Eklig, wie die Miniaturfrau aus rohem Schinken sich genüsslich im Liegestuhl räkelt.

Im Fokus der Ausstellung stehen aber Medikamente und Drogen. Das Ölbild „Help me" von Alfred Bradler geht unter die Haut. Frauen hinter Glas, ohne Hoffnung, ihren Süchten zu entkommen. Und nahezu verstörend ist die Bildsprache von Alena Sternberg. Die gespenstige, düstere Fotografie „Porträt eines Abhängigen" zeigt einen Mann mit qualvoll verzerrtem Gesicht, der sich den Brustkorb aufreißt.

 

 

Fragen an Raimunde Grave zu den

OFFENEN AUSSTELLUNGSWOCHEN 2012

Galerie-Graf-Adolf

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a) Wann war dir bewusst, dass du in die kreative Richtung arbeiten möchtest und warum?

 Schon als Kind unbewusst, seit langem bewusst: Weil kein anderes Gebiet so viele persönliche Ausdrucks-/Entfaltungsmöglichkeiten bietet, und weil ich es liebe, immer wieder durch mich selbst bzw. durch meine künstlerische Arbeit überrascht zu werden.

 

 b) Was waren Höhepunkte deines bisherigen Künstlerischen Weges?(Eckpunkte des Lebenslaufs)?

 Wenn meine Kunst es schafft, andere zu „berühren“ , ist das für mich ein persönliches Highlight.

Eckpunkte: Erfahrungen und das Lernen daraus, die Entdeckung neuer Freiräume und Fähigkeiten, das Bewusstwerden über eigene Stärken.

 

 c) Welches Thema hat es dir besonders angetan?

Botschaften, Erfahrungen und Widersprüche aus dem Außen und dem Innen, die sich in unterschiedlicher Form in meiner künstlerischen Arbeit äußern.

 

 d) Gibt es Motive die typisch für deine künstlerische Arbeit sind?

Ein häufig wiederkehrendes Motiv ist der „Wurm“, den ich in unterschiedlichen Medien künstlerisch „verarbeite“.

 

 e) Was macht deine künstlerische Arbeit im Besonderen aus?

 Wenn meine Arbeiten von Weitem „schön“ aussehen, weiß man nie, ob sie bei näherer Betrachtung nicht doch etwas Unerwartetes auslösen.

Es ist mein spielerisch-leichter , oft intuitiver Ansatz, bei gleichzeitiger reflektierter Ernsthaftigkeit, manchmal Schonungslosigkeit – das Ganze jedoch häufig mit einem Augenzwinkern.

 

 f) Welche Werke wirst du auf den offenen Ausstellungswochen in der Galerie-Graf-Adolf präsentieren?

 TEXT-ARBEITEN

auf Stoffen und als Installationen aus den Jahren 2010, 2011, 2012

 

 g) Warum bist du kreativ schaffend tätig?

 Frage jemand, warum er atmet.

Kunst machen ist für mich eine innere Notwendigkeit.

 

 



Interview mit Raimunde Grave

zur Akt & Erotik Ausstellung 2011

  1. Was macht ein sinnlich - erotisches Bild für dich aus?

 

Sinnlich Erotisches begegnet mir auf vielerlei Weise und entfaltet sich in mir, unabhängig

von einer bildlichen Darstellung. Ein Blick, ein Küchen-Rührstab, eine aufgeschnittene Frucht, Landschaften, Pflanzen ......... ich mag es, wenn eine künstlerische Arbeit Spielraum lässt für meine Fantasie.

 

  1. Welchen Stellenwert nimmt die erotische Kunst in deinem Werk ein ?

 

Themen wie Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Erotik oder Sexualität kommen als wichtige Elemente des Lebens zwar regelmäßig in meiner Arbeit vor, haben aber im Grunde keinen „besonderen“ Stellenwert. Diese für viele mit Tabus besetzten Elemente werden in meinen Werken nicht speziell herausgestellt, sondern tauchen wie selbstverständlich und gleichberechtigt zusammen mit anderen Themen wie zum Beispiel Spiritualität, Wissenschaft, Natur auf.

 

  1. Wann hast du dich das erste Mal mit Akt beschäftigt ?

 

Akt begegnete mir das erste Mal, als ich mich nackt im Spiegel entdeckte und seid dem beschäftige ich mich immer wieder damit.

 

  1. Was reizt dich an dieser Darstellungsform ?

 

Mich reizt das humorvolle Spiel mit scheinbar fest stehenden Motiven und üblichen Reaktionsmustern.

 

  1. Charakterisiere deine Motive und Techniken.

 

Als interdisziplinär arbeitende Künstlerin lasse ich Form sowie Material und Technik meiner Arbeiten von der zu formulierenden Aussage, dem jeweiligen Inhalt bestimmen.

Grundsätzlich arbeite ich immer an mehreren Werkgruppen gleichzeitig. Dabei machen Arbeiten, die erotische Anteile bzw. intime Körperteile zeigen, nur einen Bruchteil meines Gesamtwerkes aus.

 

  1. Was möchtest du mit deinen erotischen Arbeiten ausdrücken ?

 

Erotik taucht in meinen Arbeiten wie selbstverständlich auf und entsteht aus meinem oft humorvollem Spiel mit scheinbar fest stehenden, unveränderlichen Gegebenheiten und einem ernsten Hinterfragen so genannter Freiheiten und Möglichkeiten.

(Be-)Deutung, Wahrnehmung und Wirkung entstehen dabei letztlich in der individuellen Auseinandersetzung: im Kopf des Betrachters.

 

  1. Gibt es für dich eine klare Grenze zur Pornographie ?

 

Pornographie dient meines Wissens allein zur „sexuellen Anregung“ des Betrachters damit grenzt sie sich selbst ab und ein. Sexualität ist die Grundvoraussetzung für das Leben und ist meines Erachtens in jedem Moment irgendwie Bestandteil des Alltags.



 

 

 

 



erosa, das Erotik-Portal: Erotik & Akt, Ausstellung in Köln, bis 3.9.2011

Erotik & Akt, Ausstellung in Köln, bis 3.9.2011

22.08.2011 von Silke Maschinger in der Rubrik Neues aus der Branche, Veranstaltungstipps.

Besucher müssen mindestens 18 Jahre alt sein, um diese Ausstellung im Kölner Stadtteil Mülheim zu besuchen. 13 Künstler präsentieren Zeichnungen, Malereien, Fotografien, Skulpturen und Collagen, die explizit zeigen, was jugendliche Augen nach Recht und Gesetz noch nicht zu Gesicht bekommen dürfen.

Die Männer und Frauen sind in ihren Werken lustvll direkt und wandeln mit ihren jeweiligen Materialien und Techniken auf dem schmalen Grat zwischen ästhetischer Erotik und platter Pornografie. Wo dieser Grat verläuft und wer ihn wie definiert, bleibt letztlich jedem selbst überlassen – aus meiner persönlichen Sicht ist der Spagat gelungen, und ich habe mich gefreut, die Vernissage am 20. August zu besuchen.

Über zwei Etagen verteilen sich die Räume der Galerie, und schon kurz nach der Eröffnung um sieben waren die Zimmer an diesem ungewöhnlich warmen Sommerabend prall gefüllt mit Neugierigen. Galerist Christoph Muelln sprach denn auch nur eine sehr kurze Begrüßung und überließ das Wort dann einer ebenso kurzen und arg ungelenken erotischen Lesung.

Mit zwei Ausnahmen waren alle Künstler bei der Eröffnung anwesend: Sarah Andre, Andre Boeck, Heinz Diekmann, Sylvia Dölz, Martina Germund, Natalya Girivenko, Raimunde Grave, Ulrich Grolla, Hardy Laddey, Nina Marxen, Jürgen Reiners, Manfred Schüler, Felice Sgarra. 

Auf der Website der Galerie findet der interessierte Besucher Interviews, in denen jeder Künstler Fragen zu seiner Arbeit und zu seinem Umgang mit Akt, Erotik und Pornografie beantwortet. Die Ausstellung, die leider nur zwei Wochen zu sehen ist, hegt nicht den Anspruch, die erotische Gegenwartskunst repräsentativ abzubilden. Aber wer Freude an unverblümt lustvollen Motiven hat, kommt auf abwechslungsreiche Kosten.

Galerie-Graf-Adolf
Graf-Adolf-Str. 18-20
51065 Köln
Öffnungszeiten: Mo+Do 14.00-16.00 Uhr,  Fr+So 16.30–18.30 Uhr
Website der Galerie: www.galerie-graf-adolf.de

Danke an Harald Berenfaenger für Bild und Text.